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Schule2

Wenigstens ein Dach über dem Kopf

Senior Schläger Haus1Das Thema dieses Semesters im Politik–Wirtschaft-Grundkurs lautet "Soziale Marktwirtschaft zwischen Anspruch und Wirklichkeit". Hierbei kam unter anderem die Frage auf, wie man durch das soziale Netz fallen könne (im "worst case" etwa obdachlos werde), da es doch für nahezu jede Notlage ein Amt oder doch wenigstens einen ehrenamtlichen Hilfsverein gebe. Solche Fragestellungen lassen sich nicht mithilfe eines Schulbuchs klären. Vielmehr muss man mit Praktikern vor Ort sprechen. Dementsprechend begab sich der PoWi-Kurs am 30. Juni 2022 im "Senior Schläger Haus" auf Spurensuche. Hierbei handelt es sich nicht etwa um eine Seniorenresidenz, sondern um eine Institution, die Menschen, die wohnungslos, obdachlos oder von Wohnungsnot bedroht sind, Hilfe gewährt. Sie befindet sich in Hameln direkt gegenüber der Rattenfängerhalle. Als ambulante Einrichtung bietet sie alles unter einem Dach an: Tagestreff (Erdgeschoss), Beratungsstelle (1. Etage), Übernachtungsmöglichkeit (2. Etage).

Der Tagestreff möchte vor allem Struktur durch den Tag bieten. Er wird von 20 bis 30 Menschen täglich genutzt. Es besteht beispielsweise die Möglichkeit zum Frühstück, zur Körperpflege, zum Wäschewaschen, zur Mediennutzung (Zeitung, Telefon, Internet). In der Beratungsstelle steht dagegen der Beziehungsaufbau im Vordergrund. Es gilt der Grundsatz der Freiwilligkeit. Niemand wird gezwungen, Unterstützungsangebote (z.B. gemeinsame Wohnungssuche, Hilfe beim Umgang mit Ämtern, Schuldnerberatung) in Anspruch zu nehmen. Darüber hinaus kann man sich hier ärztlich behandeln lassen. Die Übernachtungsstelle bietet schließlich ein Dach über dem Kopf für sog. Durchreisende. Dies sind Menschen ohne festen Wohnsitz, die ortsfremd sind, also nicht aus der Region Hameln-Pyrmont stammen. Wer in der 2. Etage übernachten will, hat sich freilich an die Regeln des Hauses zu halten: Keine verbalen Bedrohungen, keine Gewalt, keine Waffen, kein Alkohol, keine Drogen!

Senior Schläger Haus2Wie aber steht es um unsere Ausgangsfrage: Warum fallen Menschen durch das soziale Netz? Frau Altheide und Frau Clemens-Wolf, die uns kompetent durch die Einrichtung führten und jede unserer Fragen ausführlich beantworten konnten, gaben zu Protokoll: Ein Teil nimmt keine Hilfe an aus Scham. Ein weiterer Teil hat schlechte Erfahrungen gemacht, mit Ämtern wie auch mit manchem Hilfsverein. Diese Menschen ertrügen keine weiteren Demütigungen. Wieder andere wollen schlicht keine Hilfe in Anspruch nehmen, wenngleich dies eher selten der Fall sei.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Frau Altheide und Frau Clemens-Wolf für die Rundführung durch das Senior-Schläger-Haus und für den überaus informativen Einblick in die Situation, der obdachlose Menschen alltäglich ausgesetzt sind!