Schüler helfen Schülern

Zurzeit beteiligen sich über 60 Schülerinnen und Schüler freiwillig als Tutoren am Übenden Lernen (ÜL) und an der Hausaufgabenbetreuung. Sie stärken auf diese Weise ihre Sozialkompetenz und Eigenverantwortlichkeit und leisten jetzt seit vielen Jahren ihren Beitrag zur Chancengleichheit.

"Chancengleichheit im Schulwesen gibt es nicht" – so lautete im Herbst 2004 das Fazit einer Diskussionsrunde einer neunten Klasse der Sertürner-Realschule im Politikunterricht. Auch wenn Schülerinnen und Schüler laut Grundgesetz die gleichen Voraussetzungen haben, sind nicht Fähigkeit und Willen, sondern die soziale Herkunft maßgebend für das Erreichen eines überdurchschnittlichen Schulabschlusses. Irritiert durch diese Aussage beschlossen einige Schülerinnen und Schüler, in Form von ehrenamtlicher Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung einen Beitrag zur Änderung dieser Situation zu leisten. Schnell war der Kontakt zur Grundschule Hohes Feld hergestellt und der rechtliche Rahmen geklärt, so dass bereits einige Wochen später das Projekt "Schüler helfen Schülern" (ShS) beginnen konnte. Bis zu 20 Grundschülerinnen und Grundschüler erhalten seitdem nach ihrem Unterricht eine schulische Unterstützung seitens der "Großen".

Parallel zu dieser Einführungsphase erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihrer Politiklehrerin ein Konzept, in dem die Ziele des Projekts festgehalten wurden. Neben dem Anfertigen der Hausaufgaben, dem Lernen und Wiederholen von aktuellen Unterrichtsinhalten und dem Aufarbeiten von Defiziten bekamen die Grundschülerinnen und Grundschüler auch eine Hilfestellung zur individuellen Lernorganisation. Oberstes Ziel von ShS war und ist es, den Schülerinnen und Schülern die nötige Selbstständigkeit beim Arbeiten zu vermitteln. 

Es dauerte nicht lange und der Wunsch kam auf, ShS auch an der eigenen Schule zu etablieren. Nach einer kurzen Planungsphase und der Zusage einer freiwilligen Aufsicht seitens des Kollegiums konnte das Projekt auch jeden Tag nach der 6. Stunde für die 5. und 6. Klassen angeboten werden. Gar nicht erst hinterfragt wurde die Unterstützung der Schülerinnen und Schüler als Tutorinnen und Tutoren beim ÜL nach der Einführung der IGS. So wurde nebenbei auch das soziale Miteinander zweier Schulen in einem Gebäudekomplex unterstützt.

Jeden Tag besteht seitdem für alle Schülerinnen und Schüler der IGS Hameln die Möglichkeit der Teilnahme am ÜL. Wiederholt, geübt, gelernt und nicht zuletzt auch gelacht wird montags bis donnerstags unter der Aufsicht von Lehrerinnen und Lehrern und pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von 13:45 Uhr bis 14:30 Uhr. Manchmal jedoch wird diese Grenze überschritten, abhängig vom Arbeitswillen der jeweiligen Schülerinnen und Schüler. Denn: Nur die, die arbeiten und ihre Zeit sinnvoll nutzen, können ab 14:30 Uhr noch spielen oder eine der angebotenen Aktionen wahrnehmen, bevor sie nach Hause gehen.

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